20 Jahre SPD Beeskow

Rede anlässlich der festlichen Ortsvereinssitzung am 19.01.2010

Anrede!

 

Wir alle erinnern uns an diese wichtige Zeit vor 20 Jahren.

 

Einige von uns  waren nicht nur als Zeitzeugen, sondern als Akteure mit dabei!

Es war ein Aufbruch aus den Verhältnissen der Unfreiheit und zugleich die erste erfolgreiche Freiheitsrevolution der deutschen Geschichte. Uns wurde die Freiheit nicht geschenkt. Wir haben sie uns erkämpft! Mit der erneuten Gründung der SPD in Beeskow haben wir einen kleinen Beitrag geleistet. 

 

Wir können stolz darauf sein!

 

Unser Ziel waren Freiheit und Demokratie, wir wollten die uns abgesprochene

Verantwortung für die eigene Wirklichkeit erlangen. Die deutsche Einheit stand plötzlich mit auf der Tagesordnung.

 

„Doch wir wollten die Einheit nicht als Übernahme durch den

Westen. Wir wollten sie als eine von den beiden deutschen Staaten verhandelte

deutsche Einheit. Wir wollten ihre Bedingungen mitbestimmen und sie so gestalten,

dass niemand sie befürchten muss, weder die sozial Schwachen noch die

europäischen Nachbarn!“ so hat es Markus Meckel, einer der Gründungsväter der SDP, vor Kurzem formuliert.

 

Es war schon etwas verwegen, als sich ein Lehrer, ein Elektriker und ein Lehrling im Winter 1989/1990 entschlossen, einen Ortsverein der SDP in Beeskow zu gründen. Umso überraschter waren wir über die Resonanz die unsere Gründungsveranstaltung in der Burg Beeskow am 19. Januar 1990 fand.

 

Die Sozialdemokratie war wieder da in Beeskow. Ein historisches Ereignis nach Verbot und Verfolgung 1933 und Zwangsvereinigung 1946. Wir haben unser

Schicksal in die eigenen Hände genommen und in den letzten 20 Jahren

unwahrscheinlich viel geschaffen.

 

Wichtig war die Unterstützung durch die Kamener Genossinnen und Genossen. In den ersten Jahren halfen sie uns mit Rat und Tat und natürlich auch materiell. Das Papier, auf dem ihr die Einladung erhalten habt, ist ein Geschenk der Kamener SPD und fast so alt wie unser Ortsverein. Stellvertretend möchte ich an Egon Pöhler erinnern, der als Stadtverbandsvorsitzender schnell erkannte, wie die erfahrenen Westgenossen uns helfen können.

 

Nächtelang haben wir auf einem Kopierer Texte aus dem Parteiprogramm und Zeitungen kopiert und bei Infoständen verteilt. Legendär unsere flächendeckende Plakatierung vor der 1. freien Volkskammerwahl. Da hat Politik richtig Spaß gemacht!

 

Ich  möchte Euch nicht mit Daten überhäufen. Mit der von Sieghard geführten Chronik liegt eine liebevolle Rückschau vor.

 

Natürlich ist es für eine politische Partei wichtig, Erfolge bei Wahlen zu erringen. Darum geht es im demokratischen Wettbewerb allen politischen Gruppierungen, um Gestalten zu können.

 

Wir waren erfolgreich:

 

Bei allen Landtagswahlen erreichten wir bei den Zweitstimmen das beste Ergebnis.

 

Außer 2009 lagen wir bei der Bundestagswahl vorn.

 

In 3 Wahlperioden der Stadtverordnetenversammlung waren wir die politisch stärkste Kraft. Bei den letzten beiden Wahlen wurden wir jeweils Zweite.

 

Die drei direkten Bürgermeisterwahlen 1993, 2001 und 2009 konnte unser Kandidat gewinnen.

 

Anrede!

 

Viele, die heute noch unter uns sind, haben sich 1990 ins kalte Wasser gestürzt und Verantwortung übernommen. Und die Ergebnisse lassen sich vorzeigen! Ich will hier nur Fritz Taschenberger nennen, den Bürgermeister dieser Stadt. Man muss sich nur umschauen in Beeskow: Es hat unserer Stadt, es hat den Menschen hier gut getan, dass ein Sozialdemokrat die Geschicke in die Hand genommen hat.

 

Ein herzliches Dankeschön auch an die, die als Stadtverordnete oder in der Verwaltung für uns aktiv waren und einen ebenso großen Anteil am Erfolg der letzten 20 Jahre hatten. Lasst uns an dieser Stelle an die erinnern, die nicht mehr unter uns sind: Berthold Großkurth, Heinz Mocker und Eberhard Schulze. Sie haben viel für Beeskow geleistet.

 

Berthold Großkurth würde in diesem Jahr am 3.November 100 Jahre alt werden. Ein würdiger Zeitpunkt, um an den ältesten Stadtverordneten der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung zu erinnern. Ich werde als Bürgermeister den Anstoß dazu geben.

 

Nicht nur in der Stadt haben Mitglieder unseres Ortsvereins Verantwortung getragen. Seit 1990 sind wir mit Abgeordneten im Kreistag vertreten, haben 8 Jahre den Vorsitzenden des Kreistages gestellt und sind an wichtigen Stellen in der Kreisverwaltung verankert. Fast 15 Jahre hat uns Manfred Rademacher im Landtag vertreten. Schade, dass er nicht mehr aktiv dabei ist.

 

Es waren bewegte politische Jahre. Für viele von uns auch beruflich und privat. So wie Manfred nicht mehr politisch aktiv ist, haben andere ihr politisches Engagement  aufgegeben. Es gab unterschiedliche Gründe, berufliche und private Veränderungen oder die Erkenntnis, dass sich die eigenen politischen Vorstellungen mit denen der SPD nicht mehr überein bringen ließen. Gelegentlich hätten wir sorgfältiger miteinander umgehen können.

 

Demokratie braucht Demokratinnen und Demokraten: engagierte, verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger. Wir brauchen mehr junge Menschen in der Partei. Stille Teilhabe reicht nicht. Deshalb dürfen wir das Werben um neue Mitstreiter nicht aufgeben. Vielleicht erst als Sympathisanten und später als Mitglied der SPD.

 

Ich bin 1990 in die SPD eingetreten, weil die sich um sozialen Frieden und Gerechtigkeit, nachhaltige ökologische und kulturelle Politik bemüht und mutig die innere Einheit Deutschlands nach Innen und Außen gestaltet hat. Ich bin aber auch eingetreten, weil sie eine neue, unverbrauchte politische Kraft war. Wir mussten bei Null beginnen. Ohne altes Parteivermögen, ohne Infrastruktur und ohne langjährige Mitglieder. Unsere Partei musste sich nicht mehrfach umbenennen, um die Spuren der Vergangenheit zu verwischen. Wir konnten an die große Tradition der ältesten deutschen Volkspartei anknüpfen. Aus den selben Gründen, die mich zur Mitgliedschaft in der SPD bewegten, tue ich mich schwer auf Landesebene mit denen Zusammenzuarbeiten, bei denen immer wieder alte Kader und Stasi-Zuträger in politische Funktionen drängen.

 

Anrede!

 

Die SPD hat maßgeblich die letzten 20 Jahre die Politik bestimmt. Die Handschrift ist deutlich erkennbar. Die SPD ist es, die gebraucht wird. Die SPD Beeskow, die seit nunmehr 20 Jahren unermüdlich für die Menschen in unserer Stadt eintritt.

 

Ich habe  den Wählerinnen und Wählern ein überparteiliches Angebot gemacht. An dieses Versprechen werden ich mich halten. Man wird aber auch weiterhin eine sozialdemokratische Handschrift erkennen.

(31.01.2010)